Paul Damjakob

      "Annakirch am Ölbachstrand" -  "Verl-Hymne" zur Stadtwerdung mit Kirchengeschichte (u.a. Dechant Häner )


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Verl-Hymne I (Gesang) Glaube, Liebe, Hoffnung (Verl-Hymne II)

Verl-Hymne I (Großes Finale)


Häner-Hochchor 1936 + Wibbe-Anbau 1986                       Foto: Norbert Bathe für Paul Damjakob nach telefon. Angaben

Meine "Verl-Hymne" besingt am Schluss die "Annakirch am Ölbachstrand" wie sie 1933-39 außen wie innen geprägt wurde vom Pfarrer meiner Kindheit und beginnenden Jugend Herrn Dechant Johannes Häner, Pfarrer von 1927-1956. Mit Freude erlebte ich dann die Restaurierung der mir so lieben Kirche durch Pfarrer Hans Hermann Wibbe 1984-86 und die Vervollkommnung des Gesamtbaues durch die so formvollendete Messdienersakristei mit "Echo-Giebel" 1 zu 2 und den runden Ecken samt kleinen Fenstern, welche die Sakristeitreppe so schön einrahmen.

Auf ihr sehe ich im Geiste vor der Weihnachts-Uchte, kurz vor 4 Uhr früh, im Schneefall, blass erleuchtet von der kleinen Lampe, Herrn Dechant mit Pater Dr. Franz Gypkens hinaufsteigen. (Bei der nördlichen Sakristei liegt die Treppe unsichtbar innen.) Pfarrer Wibbe lud mich vor Jahren zu einem Orgelkonzert ein und hat mich sogar mit dem Verler Mütterverein in meinem Würzburger Orgelzimmer besucht. Auch Pfarrer Hölscher hat mich zur Stadtwerdung zum Orgelkonzert eingeladen, bei dem dann meine Verl-Hymne und das Lied "Glaube, Hoffnung, Liebe" uraufgeführt wurden.

Paul Damjakob, Bürgermeister Paul Hermreck, Pfarrer Herrmann-Josef Hölscher und Dirigent Markus Koch        
Foto: Hubertus Ebbesmeyer, Initiator des Orgelkonzertes am 26.09.2010
Pfarrer Hans HermannWibbe
mit dem alten Turmhahn
Foto: Günter Hüttenhölscher


Während die Hymne I die Integration der Flüchtlinge nennt, an deren Gelingen Häner entscheidenden Anteil hat, Stichwort Siedlung Sürenheide und St. Thaddäuskirche, deren Patron Häner bestimmte und deren Grundstein er legte, besingt der Choral, die 2. Verl-Hymne, die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit, die Häner in den Kirchenfenstern seinen Verlern als entscheidende „Letzte Dinge“, auf die es beim jüngsten Tage ankommt, vor Augen stellt: Was wir dem Geringsten schenken: Nahrung, Kleidung, Obdach, Treu, dessen wird der Herr gedenken, wann einst unser Ende sei; nimmt als Pfand zum Heile an, was wir Gutes hier getan“ - um dann auf die drei Göttlichen Tugenden „Glaube-Hoffnung- Liebe“ zu verweisen:„Größte Tugend – weiß der Christ – von den Drei’n die Liebe ist“. Häner zu Ehren, der mich auf der Orgel üben ließ, nachdem er nachmittags vor dem Tabernakel gebetet hatte, und dem von den Verler Pfarrern die viertlängste Amtszeitgegeben war, (29 nach über 50 Jahren von Ferdinand Kühlmann und 38 von Pfarrer Joseph Kleine und 39 von Pfarrer Anton Joseph Meyer), sei Ernsteres und Heiteres überliefert.


Westseite der Kirche vor 1933 mit Tür und Rundfenster, nach Joh.- Ferd. Hetzendorf von Hohenbergs Plan für Austerlitz, dort aber aufwendiger mit Säulenhalle. Neugotischer Altar von 1860, Annafigur über Tabernakel jetzt im Anna-Altar. Ein Teil der Figuren jetzt in der Krypta, an der Seite Wandgemälde von Anton Waller.
(am Altar Pfarrer Kühlmann)



Häner-Hochchor 1936, vor dem Wibbe-Anbau 1986                                                               Foto: Günter Hüttenhölscher



Dechant Häners Antwort auf das 1925 von Pius XI. eingeführte Christkönigsfest:  9-stufiger Hochchor mit Christkönigsaltar
Foto: Verler Heimatbuch, Herausgeber Spar - und Darlehenskasse Verl 1937





Kirche 1986 mit nachkonziliarem Zelebrationsaltar, von dem der Priester wieder nach Osten zelebriert.
Foto: Günter Hüttenhölscher


Foto: Bernhard Klotz

4 der 12 "Apostelsäulen" trugen früher die Orgelempore. Durch deren Verkleinerung wurden 1984 - 86 die 2 vorderen Säulen
aus der Orgelbühne herausgelöst und so besser erlebbar gemacht.


Foto: Horst-Dieter Zocher


März 1954, Sonntag „Laetare“. Im rosa Messgewand, den zarten Goldkranz auf dem silbernen Stehhaarschnitt. Es war Herr Dechant Häner, der feierlich vom Pfarrhaus abgeholt wurde zum Festhochamt seines Goldenen Priesterjubiläums.

Ganz Verl drängte sich am Nachmittag in der „ausgestopften“ Schützenhalle. Eingekeilt in der Menge erlebte ich, die Lobreden der Prominenten über das Lebenswerk des Jubilars. Die Worte des evangelischen Pfarrers weiß ich noch ziemlich genau: „Wenn Neid keine Sünde wäre, würde ich Sie wegen Ihres von Gott gesegneten Alters und Wirkens und angesichts der Treue Ihrer Pfarrkinder beneiden“.

Nach dem letzten Redner begann er, trotzig, doch mit feuchten Augen, sein Dankwort: „Es ist schon viel gelogen worden in Verl........, aber so viel wie heute Nachmittag in der Schützenhalle noch nie.“ Die Halle erbebte vor befreiendem Lachen. Das war Häner, wie man sich vor ihm in Acht nehmen musste. Und (aus dem Gedächtnis) weiter: „Als ich die Pfarrei Verl übernehmen sollte, hatte ich zunächst Angst. Hinter einem solchen Vorgänger her, wie es Ferdinand Kühlmann war, kannst du nur verlieren, sagte ich mir. Doch dann: Gott wird helfen. Die Leute sind da genau so gut oder schlecht wie anderswo; und wenn ich auch aus den Sauerländer Bergen stamme, im Verler Flachland bin ich letztlich ein westfälischer Dickkopp unter anderen.“
Jetzt hatten sie ihn plötzlich lieb. Mit Tränen in den Augen verließ er, durch das bis zur Straße stehende Spalier, die Halle.

Häner wusste, dass viele ihm rein gefühlsmäßig nachtrugen, als erste Amtshandlung, noch vor Erweiterung der Kirche, das alte Pfarrhaus durch einen Neubau, mit modernen sanitären Einrichtungen, ersetzt zu haben. Wie Eingeweihte wissen, auf Befehl des Bischofs: „Erst das Pfarrhaus, dann die Kirche“. Der Bischof fürchtete den Verfall der angesparten Gelder für den Kirchenbau wegen ständiger Verzögerung infolge Widerstands Verler Geschäftsleute gegen die Verlegung des Hauptportals.

Man bedenke, 1929 war der Bankenkrach mit Weltwirtschaftskrise im Gefolge, und1933 kam Hitler, der die privaten Goldreserven beschlagnahmte. (Stichwort: Hölzerne Ziervase über dem Schalldeckel der Kanzel, Häners Versteck für private Goldspenden, alte Münzen, kleine Goldbarren, Schmuck. Haben dort den Krieg überdauert und die Kirchenrenovierung 1951 ermöglicht.) Auch, dass er den geliebten neugotischen Hauptaltar mit zentraler Mutter Anna-Figur gegen den barocken "Christkönigs-Hochaltar" austauschte, ja ihn zersägen ließ! (vielleicht Holzwurm?), hatte vielen wehgetan. Doch muss man sich in Erinnerung rufen, dass Pius XI. 1925 das "Christkönigsfest" einführte und Häner hier auf der Höhe der Zeit handelte. So lange die Kirche steht, muss man Häner für diese liturgische Verbesserung und Steigerung der Schönheit dankbar sein. Die Mutter-Anna-Figur mit der halberwachsenen Tochter Maria - Vorbild für ihre Töchter erziehende Mütter * (19. Jahrht. im Gegensatz zur "Anna selbdritt" des Mittelalters) barg Häner würdig im rechten "Mutter-Anna-Seitenaltar", nun viel näher an den Leuten. * Augustinus: Gebt mir heilige Mütter, und ich heile die Welt.

Und mancher wich ihm wohl gerne aus, vielleicht seiner durchdringenden blauen Augen wegen, die ja geradezu jede „bei der Beichte vergessene Sünde“ oder "kritische Nachrede" zu lesen schienen, ja, bei denen einem S?nden einfielen, die man gar nicht begangen hatte. Auch war Häners Schlagfertikeit bekannt, die einen freute, wenn`s andere traf, man selbst aber ihr sich, etwa durch eine ungeschickte Antwort, nicht aussetzten wollte.

Ein selbsterlebtes Beispiel: Direkt unter der Kanzel, auf der Häner Katechismusfragen an die Kinder richtete, wobei man durch "Fingeraufzeigen" die Chance hatte, öffentlich lobenswert aufzufallen, saß seiner Kleidung nach zu urteilen, ein "besserer" Herr von etwa 50 Jahren, der wohl diese Fragen für sich nicht mehr als altersgerecht empfand und seine Fingernägel inspizierte. Nach drei-vierfachem ägerlichen Husten mit Pausen dazwischen erscholl es plötzlich laut von der Kanzel herab: "Wenn man glaubt, man sei allein, macht man sich die Nägel rein". Hochrot steckte der Herr schnell die Nagelfeile weg. Das war echt Häner!


Todesnachricht Dechant Häner, Veröffentlicht in "Die Glocke", Samstag, 9. Juni 1956

Totenzettel Dechant Häner


Dechant Johannes Häner ließ 1933-37 am Westende des Hauptschiffes einen Hochchor auf gleicher Grundfläche wie der Ostturm - 8 x 8 m - errichten, um einerseits mehr Sitz - und Stehplätze für die größer gewordene Gemeinde*, andererseits eine "hl. Bühne" für prachtvolle Liturgie an einem barocken Hochaltar 9 (heute 8) Stufen hoch, zu gewinnen. Dieser Hochchor werleiht auch außen dem Gesamtbau wohltuendes Gleichgewicht, wie das Meisterfoto von Brödenfeld eindrucksvoll beweist. Auch war es dadurch Pfarrer Hans Hermann Wibbe 1984 erst möglich, zur Vermeidung "störenden Hin-und Hergehens vor dem Altar von einer Sakristei zur anderen" den kleinen Giebel-Sakristeianbau mit den so fein abgerundeten Ecken anzufügen. Da auch die Bildwerke von Meister Repke, und das Fensterprogramm "Die Leiblichen Werken der Barmherzigkeit"** , von Häner gewünscht wurden, und er auch 1939 die uns vertrauten Turmuhren beschaffte - auch eine Zierde für die Turmhaube - kann man Häner durchaus Vollender der Verler St. Annakirche nennen, unbeschadet des nachkonziliaren Volksaltars*** "versus populum", der 1982-84 unter Pfarrer Wibbe geschmackvoll eingepasst wurde.

Mit den Turmuhren konnte Häner übrigens der damaligen Staatsmacht das ständig geforderte Hissen der Hakenkreuzfahnen aus den offenen "Brandluken" unmöglich machen, wofür er sogar samt Küster Heinrich Tacke nach Bielefeld zur Gestapo vorgeladen wurde. Doch gegen Turmuhren, die ja auch der Arbeitsbeschaffung dienten, konnten sie letztlich nichts haben.


*
durch Entfernung des fast ebenerdig, nur 4 Stufen hoch stehenden alten neugotischen Hauptaltars, dessen Grundfläche nun den Gläubigen zugute kam.

**
Hungrige speisen- Durstige tränken- Nackte bekleiden- Fremde beherbergen- Kranke besuchen- Gefangene befreien- Tote begraben- Zusammenfassung im 8. Fenster:
"Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan".
Weniger bekannt: "Die Geistigen Werke der Barmherzigkeit":
Sünder zurechteisen- Unwissende lehren- Zweifelnden recht raten- Betrübte trösten- Lästige geduldig ertragen- Beleidigungen gern verzeihen- Für Lebende und Verstorbene beten.

***
Durch letzteren - Ironie der Geschichte - zelebriert heute, wie der Papst in Rom, der Verler Pfarrer, im traditionellen Sinne, wieder richtig, nach Osten schauend, zur aufgehenden Sonne hin, während alle anderen, Bischöfe wie Priester, durch die "versus populum" westwärts gedrehten Altäre "verkehrt rum" heute zelebrieren müssen. Ein, wenn auch unbeabsichtigt, nachträgliches weiteres Plus f ü r Häner. Nicht unerwähnt sei, als Frucht des spirituellen Wirkens von Dechant Häner, dass m. W. 9 Priesterberufe aus seiner Zeit hervorgingen.

Ein "Dechant Häner-Platz" wäre in Verl nicht unangebracht.





Verl-Hymne (Ostermontag 2010)
Text und Melodie v. Paul Damjakob,
Zur Stadtwerdung am 1.1.2010

1. O Stadt Verl am Ölbachstrand,
warst als Dorf der Kindheit Segen,
prägtest Sinn, Herz und Verstand,
trautes Ziel nach langen Wegen.
War das Leben oft auch schwer,
heute freut's uns umso mehr:
Verl ist Stadt am Ölbachstrand,
Perle im Westfalenland!

2. Verler Menschen ehren Gott,
wert des Erbes ihrer Ahnen,
nahmen auf in größter Not,
viele, die hier Zuflucht nahmen,
bauten in der Zeiten Lauf
staunenswert die Stadt hier auf.
Nach oft harter, schwerer Fron
fügte Gott des Fleißes Lohn:
Bist nun Stadt im Deutschen Land,
Schönes Verl am Ölbachstrand!

3. Den Vertrieb'nen sich'rer Hort,
als sie tausendfach gekommen *
ward Verl neuer Heimatort.
Allen hier zu Nutz und Frommen
mehrten mit am neuen Herd
Ruhm und Wohlstand, Heil und Wert
"ihres" Verl in neuem Land,
Heimat nun am Ölbachstrand.

* die nach Krieges Leid gekommen,

4. O mein Verl, du lieber Ort,
Heimat vieler guter Freunde,
stehe treu zu Gottes Wort,
sei stets tätige Gemeinde!
Gottgestärkt durch's Leben geh'n,
furchtlos einst den Tod besteh'n
eingedenk der Ahnenschar,
die uns Glaubensvorbild war.
Trost für den, der in der Stadt
lieber Ahnen Grabstätt' hat.

5. Der"Vier Eichen" - Wappenschild
will dein Werden, Verl, uns lehren,
der St Anna-Kirche Bild,
dass auf Gottes Wort wir hören.
Fest wie Kirch' und Eichen stehn
soll man Verl stets gläubig sehn.
Anna-Kirch am Ölbachstrand weist
zum ew'gen Heimatland!

Strophe 5 b als Variante:

5b. Der "Vier Eichen-Wappenschild"
auf Dein Werden, Verl, verweiset.
Der St. Anna-Kirche Bild
uns an Gott zu denken heißet.
Möge die Christgläubigkeit
prägen Verl auch künft'ge Zeit.
Anna-Kirch am Ölbachstrand weist
zum ew'gen Heimatland!